Villachs große Wohnungsumfrage

Wie geht es Villachs Wohnungsmarkt? Und in welche Richtung muss er sich entwickeln? Eine groß angelegte Studie liefert nun erstmals Fakten für ein besonders wichtiges Thema.

Zu den wichtigsten Themen der Gegenwart gehört „Wohnen“. Um Begriffe wie „leistbares Wohnen“ und „Leerstandsquoten“ werden mediale Diskussionen geführt, denen oft Fakten fehlen. Daher hat die Stadt Villach Kärntens erste urbane Wohnraum-Studie in Auftrag gegeben. Die Analyse wurde von der Fachhochschule Kärnten durchgeführt. Studienleiter waren die Wissenschaftler FH-Prof. Dr.in Kathrin Stainer-Hämmerle und FH-Prof. Dr. Alexander Schwarz-Musch.

Die zentralen Fragen der Studie

  • Wie entwickelt sich der Bedarf an Wohnraum in Villach in den kommenden fünf Jahren?
  • Wie wird der aktuelle Wohnmarkt eingeschätzt?
  • Welcher Bedarf lässt sich aus der demografischen Entwicklung ableiten?
  • Wie ist der Leerstand einzuschätzen?
  • Welche Anforderungen stellt die Bevölkerung an Wohnraum?

„Dazu haben wir eine Bevölkerungsumfrage durchgeführt, ebenso wie Expertenbefragungen (Wohnbaugenossenschaften, Maklerinnen und Makler, Arbeitgeber) sowie Analysen von Datensätzen und Online-Wohn-Plattformen“, sagt Studienleiterin Stainer-Hämmerle.

Die Kernaussagen im Überblick

  1. Das Wohnungsangebot
    Das Angebot am Villacher Wohnungsmarkt wird als (zu) gering wahrgenommen. Wohnbau-Vorhaben decken das Bevölkerungswachstum nicht vollständig ab. Neben dem starken Wachstum der Stadt Villach spielt auch der weit überdurchschnittliche Anteil an Single-Haushalten eine Rolle. Österreichweit liegt der Anteil bei 38 Prozent, in Villach sind es 45. Wohnungen ohne Hauptwohnsitzmeldung sind zu 87 Prozent „Nebenwohnsitze“. Dies weist auf hohe Nachfrage nach Wohnungen für Arbeits- und Ausbildungszwecke hin. Der Anteil von gemeinnützigen Wohnungen liegt bei nur 16 Prozent. „Dieser Wert muss sich unbedingt erhöhen“, sagt Wohnungsreferent Erwin Baumann. „Geförderte Wohnungen sind ein Garant für leistbares Wohnen. Dennoch müssen auch diese Einheiten günstiger werden. Ich sehe in meiner täglichen Arbeit, dass wir hier Ideen brauchen, um die Kosten zu senken.“

  2. Die Wohnkosten
    Die Gesamtwohnkosten (Miete und Betriebskosten) liegen in Kärnten mit 6,50 Euro weit unter dem Österreich-Schnitt (8,30). Nur das Burgenland ist noch günstiger (6,40). Im Vergleich der Kärntner Bezirke entsprechen Villachs Mietkosten der Position als zweitgrößter Stadt. Die Höhe der Mieten ist dennoch ein häufiger Kritikpunkt bei der durchgeführten Umfrage.

  3. Die Leerstandsquote
    Villachs Wohnungs-Leerstandsquote beträgt 7,7 Prozent. Klagenfurts Politik geht für ihre Stadt von vergleichbaren Zahlen aus, für ganz Deutschland werden 8,2 Prozent angegeben. Als Leerstand wurden Einheiten mit einem Jahresstromverbrauch unter 500 kWh gewertet. Gründe für Leerstände sind fehlende Sanierungen, die oft mit negativen Kosten-Nutzung-Rechnungen der Vermieter zusammenhängen, oder generelle Unsicherheiten der Vermieter (Wollen- oder Könnensbarriere). Spekulativer Leerstand wird in Villach nicht als relevante Größe gesehen.

Daraus resultierende Maßnahmen

  • mehr geförderte Wohnungen
  • Leerstandsabgabe
  • Einführung kostenloser Beratungs-Stunden im Rathaus
  • Sanierung leerstehender Altbestände

Interesse? - hier geht's zur gesamten Wohnraum-Studie



18.07.2022
Quelle: Villacher Stadtzeitung, Ausgabe Nr. 6/2022